Ein Finanzritter fällt aus dem Adelsstand
Die britischen Verdienstorden
In Grossbritannien gibt es fünf Stufen von königlichen Verdienstorden. Die höchste Ehrung ist der Knight Grand Cross gefolgt vom Knight Commander. Träger dieser Orden werden von der Queen in den Adelsstand erhoben und dürfen vor ihrem Namen den Titel «Sir» tragen, sofern sie Bürger des Vereinigten Königreichs sind oder aus einem Land des Commonwealth stammen, das die Königin als Staatsoberhaupt anerkennt. Ausländischen Mitgliedern dieser Verdienstorden bleibt diese Ehre jedoch versagt. Die weiteren Stufen sind Commander, Officer und Member. Die Verdienstorden werden jeweils auf Vorschlag der britischen Regierung vergeben.
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Fred Goodwin war einst der gefeierte Mann unter Grossbritanniens Bankern. Unter seiner Ägide wuchs die Royal Bank of Scotland (RBS) zu einem der grössten Finanzinstitute der Welt heran. 2004 ehrte ihn die Queen mit der Ritterwürde, Goodwin durfte sich fortan mit «Sir» ansprechen lassen. Doch seine Adelszeit sollte nicht lange währen. Fast acht Jahre später ist Fred Goodwins Ruf in Trümmern. Die britische Regierung hat ihm den Adelstitel aberkannt. Weil er Schande über den Ritterstand gebracht habe, sei die Auszeichnung «aufgehoben und annulliert», teilte das Kabinettsbüro in London mit.
Die risikoreiche Übernahme der niederländischen Bank ABN Amro 2007 wurde dem 53-jährigen Schotten zum Verhängnis. Im Zuge der darauffolgenden Finanzkrise verbuchte die Royal Bank of Scotland einen ihrer grössten Verluste der Geschichte. Der britische Staat musste mit 45 Milliarden Pfund in die Bresche springen, das Geldhaus bleibt bis zum heutigen Tag verstaatlicht. Fred Goodwin trat im Oktober 2008 zurück, ohne dabei auf Pensionsansprüche über 16 Millionen Pfund verzichten zu wollen. Erst nach einem öffentlichen Aufschrei lenkte er teilweise ein.
Gemäss dem «Wall Street Journal» urteilte der Ausschuss der Regierung, dass die Royal Bank of Scotland eine Schlüsselrolle in der Finanzkrise spielte und somit zur schlimmsten Rezession in Grossbritannien seit dem Zweiten Weltkrieg massgeblich beitrug. Fred Goodwin sei als Chef der RBS ein Mitverantwortlicher. «Im Lichte dieser Erkenntnis wurde erkannt, dass die Ritterschaft nicht aufrechterhalten werden kann.» Premierminister David Cameron begrüsste den Entscheid.
Die schwarze Liste
Goodwin kann sich damit trösten, nicht der Einzige zu sein, dem ein Orden des britischen Königshauses aberkannt wurde. Mit insgesamt 35 Personen wurde seit 1995 so verfahren, wie der «Guardian» schreibt. Das Kabinettsbüro verfügt über diese Möglichkeit, um die königliche Auszeichnung nicht in Verruf zu bringen, wie es heisst. Ein Blick auf die schwarze Liste zeigt, dass die britischen Regierungen, welche die zu ehrenden Personen jeweils zwei Mal pro Jahr der Queen vorschlagen, nicht immer ein glückliches Händchen bei der Interpretation der Geschichte hatten.
So zählt zu den ehemals Notablern auch Robert Mugabe. Der Präsident von Zimbabwe wurde 1994 für die Förderung der guten Beziehungen zu Grossbritannien mit dem höchsten Verdienstorden ausgezeichnet. Nach dem der einstige Hoffnungsträger sein Land in den Ruin getrieben und in die Isolation geführt hatte, entzog ihm die Queen 2008 die königliche Ehre.
Politiker und Finanzakteure
Auch der ehemalige rumänische Diktator Nicolae Ceausescu wurde 1978 von der Queen geehrt, als ein Politiker, der während des Kalten Krieges die Beziehungen zum Westen verbessern half. 11 Jahre später kam die Einsicht, sich in ihm getäuscht zu haben. 1989 folgte die Aberkennung des britischen Ritterordens. Italiens Führer Benito Mussolini widerfuhr dasselbe Schicksal. George V. zeichnete ihn als ersten Italiener überhaupt mit einem königlichen britischen Orden aus. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges fand auch hier eine Korrektur statt.
In jüngerer Zeit sind es keine Politiker, sondern die Akteure der Finanzbranche, die ins Visier der Regierung geraten sind. Noch vor Goodwin musste der wegen Betrugs angeklagte amerikanische Unternehmer R. Allen Stanford erfahren, dass ein königlich-britische Orden nicht für immer gelten muss.
Ein legitimes Verfahren?
Die Aberkennung des Ritterordens stösst aber auch auf Kritik, gerade nach dem Fall Goodwin. «Das wärs: Das britische Ehrensystem ist nun komplett politisiert», schrieb etwa der «Telegraph». Goodwin werde als Sündenbock für eine Krise hingestellt, an der noch viele andere beteiligt gewesen seien. Wenn ein politisches System das auslösche, was es selbst geschaffen habe, müsse man nicht von einer stärkenden Richtigstellung, sondern von einer politischen Heuchelei sprechen. Es stelle sich nur noch die Frage, wer als nächstes dem wütenden Pöbel vorgelegt werde?
(jak)
Erstellt: 01.02.2012, 15:46 Uhr
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